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 Tipps für Angehörige und Betroffene 
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Beitrag Tipps für Angehörige und Betroffene
Allgemeingültige Tipps zum Umgang mit Depressionen oder mit einem depressiven Menschen gibt es nicht. Jede Depression ist anders, jeder Mensch mit seinen Möglichkeiten, seelischen Konflikten und Anlagen ist anders. Deshalb können die folgenden Hinweise nur Anregungen sein. Die Anregungen richten sich an Betroffene und ihr Umfeld gleichermaßen. Mit "Angehörige" sind nachfolgend alle Menschen im Umfeld gemeint: Familie, Verwandte, Freunde, Kollegen etc.


1.1. Information

Ein zentrales Problem ist das Nicht-Wissen und Nicht-Verstehen: seiner eigenen Reaktionen und der Reaktionen des jeweils anderen. Hilfreich wäre der wertfreie gegenseitige Austausch von Empfindungen und Erlebnissen, doch das ist sehr schwer. Mehr Wissen erleichtert den Umgang miteinander.



Für den Betroffenen und seine Angehörigen ist es am Anfang meist ein längerer Prozess, bis sie erkennen, dass bestimmte Verhaltensweisen, Körpersignale und Stimmungen die Symptome einer Depression sind . Die Wahrnehmung des Betroffenen ist häufig auch so, dass er sich nicht als krank erlebt, sondern z.B. als Versager, der selbst schuld an seiner Situation ist. Die Tatsache, dass Depressionen als psychische Erkrankung in weiten Teilen der Gesellschaft noch immer verharmlost werden und dass die wenigsten Genaueres darüber wissen, erschwert die Erkennung der Krankheit und verzögert den Therapiebeginn.


1.2. Beratung

Es ist wichtig, dass Patient und Angehörige wissen, dass Depressionen behandelbar sind. Beratung und Informationen rund um Depressionen helfen sowohl den Betroffenen als auch ihrem Umfeld. Hilfreiche Anlaufstellen sind Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, Kontaktdaten finden Sie bei Adressen mit dem Suchbegriff "Depressionen".


1.3. Grenzen der Belastbarkeit

Angehörige sollten sich auf einen depressiven Menschen einlassen und versuchen, ihn so gut wie möglich zu verstehen und ihm zu helfen. Dabei dürfen sie aber auch die eigenen persönlichen Grenzen nicht außer Acht lassen. Eine Depression ist für das ganze Umfeld eine Belastung, insbesondere für enge Bezugspersonen, die dem Betroffenen helfen möchten. Häufig spüren die Erkrankten dies, was zu Schuldgefühlen und noch stärkerem sozialem Rückzug führen kann. Für dieses Dilemma gibt es keine pauschale Lösung, sondern nur das Bemühen um gegenseitige Achtung.

Helfen können dabei Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen für Angehörige von psychisch kranken Menschen, Adressen finden Sie unter Adressen von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen mit den Suchworten "Angehörige psychisch Kranker".


1.4. Gestaltung des Tagesablaufs

Ein Hauptsymptom bei Depressionen ist der fehlende Antrieb, irgendetwas zu tun. Daher spielt die Unterstützung bei der Gestaltung des Tagesablaufs eine wichtige Rolle.

Hier einige konkrete Anregungen für Angehörige:

Täglich um die gleiche Zeit einen Spaziergang vereinbaren und dann auch gemeinsam spazieren gehen. Bewegung an der frischen Luft und bei Tageslicht ist in jedem Fall positiv für den Patienten.
Den Tagesablauf strukturieren, z.B. am Vortag zusammen mit dem Patienten einen konkreten Plan schreiben, kleine Aufgaben wie Duschen, Einkaufen, Aufräumen mit konkreter Uhrzeit versehen und dann kontrollieren, ob sie erledigt wurden. Die Aufgaben sollten überschaubar und bewältigbar sein - dann haben die Betroffenen Erfolgserlebnisse und fühlen sich weniger hilflos. Kleine Schritte ermöglichen kleine Erfolge, große Aufgaben überfordern und verstärken die Depressionsgefahr.
Angehörige können den Tagesablauf auch unterstützen, indem sie an geplanten Aktivitäten teilnehmen.


1.5. Drohender Wohnungsverlust

Die Antriebslosigkeit kann bei manchen Betroffenen dazu führen, dass sie z.B. ihre Post nicht mehr öffnen oder mit Zahlungen in Verzug geraten. Hier sollten auch Angehörige und Freunde wachsam sein. Droht der Verlust der Wohung, z.B. durch Zwangsräumung oder ähnliches, ist dringend professionelle Hilfe gefragt. Betroffene und Angehörige können sich z.B. an einen Sozialpsychiatrischen Dienst wenden. Hilfen gibt es eventuell auch vom Sozialamt, Näheres unter Mietschulden.


1.6. Körperliche Aktivität

So schwer dies depressiven Menschen auch fällt, sie sollten selbst versuchen und von ihren Angehörigen dazu angehalten werden, möglichst körperlich aktiv zu sein. Bewegung kann helfen, den negativen Gedanken- und Gefühlskreislauf zu stoppen. Jede körperliche Aktivität, Aufstehen nach dem Aufwachen, Aufräumen, kleine Einkäufe oder kurze Spaziergänge, kann als Erfolg betrachtet werden.

Siehe dazu auch "Depressionen und Sport"


1.7. Geduld und Zuwendung

Mitleid, gut gemeinte Ratschläge, Schuldgefühle oder Schuldzuweisungen sind nicht hilfreich. Dagegen brauchen Betroffene Geduld und Zuwendung. Der Umgang mit depressiven Menschen sollte akzeptierend, respekt- und vertrauensvoll sein. Wichtig ist Zuhören, möglichst ohne das Gehörte zu bewerten.



Appelle an den Willen von Betroffenen sind nicht empfehlenswert. Die Betroffenen leiden an einer Erkrankung, das hat nichts mit Willensstärke zu tun. Die täglichen Anforderungen dürfen zwar nicht ausbleiben, sollten jedoch der Leistungsfähigkeit angepasst werden. So ergeben sich eher Erfolgserlebnisse.



Weil die Depression die Wahrnehmung verändert, kann der Betroffene selbst erste Verbesserungen oft nicht wahrnehmen, die das Umfeld aber bereits sieht. Auch das erfordert von den Menschen im Umfeld und dem Betroffenen selbst Geduld.


1.8. Reaktion und Veränderung

Depressive Menschen empfinden zum Teil wenig positive Emotionen und wirken auf ihr Umfeld dadurch "eisig". Insbesondere Ehe- oder Lebenspartner sollten dies nicht persönlich nehmen, es ist Teil der Krankheit. Partner und Betroffene sollten sich immer wieder sagen, dass es die Depression ist, die verändert, und dass dies wieder anders wird.



Bei allen Bemühungen, einem depressiven Menschen zu helfen, sollte man nie vergessen, dass es sich um eine ernst zu nehmende Erkrankung handelt. Jedes noch so gut gemeinte Bemühen führt nicht gleich zum sichtbaren Erfolg. Spürt der Betroffene, dass ein Helfer solche "Erfolgserwartungen" - wenn auch nur unbewusst - hegt, besteht die Gefahr, dass der Betroffene sich noch schlechter fühlt, weil er den Erwartungen nicht gerecht werden kann. Die Folge kann dann Rückzug bzw. Verweigerungshaltung sein, was wiederum beim Helfer Ärger auslöst.


1.9. Keine wichtigen Entscheidungen treffen

Depressionen verändern die Wahrnehmung. Patienten sollten deshalb in einer Krankheitsphase keine weitreichenden Entscheidungen beruflicher oder privater Art treffen. Denn sie empfinden und bewerten anders, wenn sie wieder gesund sind, und bereuen dann möglicherweise ihre Entscheidungen. Angehörige können hier helfen, indem sie Patienten nicht zu weitreichenden Entscheidungen drängen.



Andererseits muss hier bedacht werden, dass wichtige Entscheidungen auch notwendig sein können, um damit z.B. belastende Situationen zu verändern oder ihnen zu entgehen. Solche Entscheidungen sollten aber unbedingt in Zusammenarbeit mit dem Arzt/Psychotherapeuten gefällt werden. Wenn solche therapeutisch abgesprochenen Veränderungen anstehen, sollte das Umfeld diese Entscheidungen unterstützen.

_________________
Die grösste Ehre, die man einem Menschen entgegen bringen kann, ist die, dass man ihm vertraut.


Donnerstag 1. September 2011, 13:08
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